Psyche: ein Symptom der MS
Traurige Verstimmungen, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit als Reaktion auf die Erkrankung sind verständlich und nicht zu umgehen, hierüber sollte offen gesprochen werden. Dabei sollte auch fachliche Hilfe nicht fehlen, weil ein Außenstehenden die Sache distanzierter betrachten kann. Oft ist das Unverständnis und die Gedankenlosigkeit der Umwelt für den Erkrankten Anlass zur Traurigkeit und Verzweiflung. Wenn hier kein klärendes Gespräch erfolgt, wird sich die Situation immer weiter aufschaukeln und irgendwann zur Explosion führen, was sicherlich niemandem hilft.Neben den traurigen Verstimmungen gibt es auch seelische Veränderungen, die gegenteiliger Natur sind. Man nennt sie euphorisch, die Stimmung wird über das natürliche Maß gehoben. Das tritt aber insgesamt selten und meist erst in späteren Krankheitsstadien auf. Eine besondere Art der Euphorie tritt bei der Einnahme von Kortison (Stoßtherapie) auf, die aber nach erfolgter Behandlung gern ins Gegenteil umschlägt.
Eine häufige Klage ist die rasche Ermüdung und die vorzeitige Erschöpfung. Chronische Müdigkeit hat bei der MS sogar einen Namen, sie heißt MS-Fatigue. Leistungen und Arbeiten, die früher ohne Schwierigkeiten ausgeführt wurden, erfordern jetzt mehr Kraft, oder werden unmöglich. Daher ist es wichtig, sich die Arbeit einzuteilen, Ruhe- und Entspannungspausen einzulegen, die je nach individueller Leistungsfähigkeit einzuhalten sind. Eine ständige Überforderung führt zu Unzufriedenheit und Frustration, beides mündet letztlich in Verzweiflung und Depression. Das wäre eine Kette ohne Ende, wenn nicht rechtzeitig ein kritisches Überprüfen der eigenen Leistungsfähigkeit und eine dementsprechende Verhaltensweise einsetzen würde. Es wäre aber genauso falsch nun zu versuchen, allen Belastungen aus dem Weg zugehen und sich zu schonen. Ein übermäßiges sich Zurücknehmen und Zurückziehen, würde ebenfalls zu Unzufriedenheit führen, jeder für sich herausfinden was noch geht.
Es ist wichtig, für sich ganz individuell das richtige Mittelmaß der Belastbarkeit zu finden. Dieses ist ein langsamer Prozeß, der durch mühsames und mutiges Austesten jahrelang dauern kann. Es ist eine schwere Geduldsprobe, weil man im Prinzip nie damit fertig wird. Zumindest im schubförmigen Verlauf, muss man sich immer wieder nach einem Schub neu orientieren. Die individuellen Grenzen sind oft nur zu erkennen, wenn man sie mal über- und mal unterschreitet und sie den jeweiligen äußeren (Familie, Arbeit) als auch den inneren (eigener Anspruch, Wünsche) Gegebenheiten anpaßt.


