Auslösende und Risikofaktoren von Magersucht

 
Auslösende und Risikofaktoren von MagersuchtEs ist wichtig, zwischen auslösenden Faktoren, Risikofaktoren und Hintergrundkonstellation zu unterscheiden. Anorexie entwickelt sich beim Zusammenwirken verschiedener Faktoren. Als auslösende Faktoren gelten beispielsweise neue Anforderungen (schulisch und beruflich), Verlusterlebnisse, Trennungsereignisse, Krankheiten oder Beschäftigung mit der in der Pubertät wichtig werdenden Sexualität. Bei Kindern und Jugendlichen können aber auch scheinbar harmlose Faktoren krankheitsauslösend wirken, zum Beispiel das Gehänselt werden wegen Übergewicht oder Diäthalten, allein oder auch häufig in einer Gruppe mit Wettbewerbscharakter.

Häufig sind scheinbar unauffällige, von den Betroffenen jedoch als ihnen durch Umstände aufgezwungene Trennungssituationen die Auslöser des Krankheitsgeschehen, so beispielsweise der Weggang von zu Hause zu Ausbildungszwecken für einen Auslandaufenthalt. Bei Kindern und Jugendlichen können die drohende oder vollzogene Trennung der Eltern, der Wegzug in eine andere Gemeinde oder ein Schulwechsel als auslösende Trennungssituationen wirken.

Vermehrte Beschäftigung mit Sexualität gehört zur Entwicklung. In der Zeit der Vorpubertät und der Pubertät, also im Alter von ca. 11-14 Jahren, fangen junge Menschen an, über neue Themen nachzudenken und zu fantasieren. Zu diesen Gedanken und Fantasien gehören Bilder und Überlegungen, die sich mit dem anderen Geschlecht beschäftigen und Erotik und Sexualität zum Thema haben. Dieser natürliche Vorgang scheint viele, später an Anorexie erkrankende Menschen massiv zu verunsichern und zu ängstigen. Vorzeitige Erotisierung und Sexualisierung junger Menschen durch die Umwelt können die Situation erschweren.

Persönlichkeit

Als Risikofaktoren der Persönlichkeit, d.h. im Hintergrund vorhandene persönliche Konstellationen, die das Zustandekommen einer Anorexie begünstigen, gelten:
  • Perfektionismus
  • Sensibilität
  • Mitgefühl
  • Ausgeprägte Leistungsorientierung
  • Starkes Harmoniebedürfnis
  • Mangelnde Abgrenzung

Soziales Umfeld

Als Risikofaktoren des sozialen Umfeldes, d.h. im Milieu vorhandene soziale Konstellationen, die das Zustandekommen einer Anorexie begünstigen, gelten:
  • Äusserlich intakte, harmonische Familie ohne eine bewährte Streit- und Konfliktkultur
  • Starker Zusammenhalt der Familie oder von Teilen der Familie, mit wenig Raum für Individualität einzelner Mitglieder mit der Erlaubnis anders zu sein
  • Starke Betonung der Leistung als Grund für Wertschätzung anderer Menschen
  • Rivalität zwischen Geschwistern
Die Erkrankung eines Familienmitglieds an einer Anorexia nervosa ist ein bedeutender Stress für die ganze Familie und führt zu Problemen im Zusammenleben. So ist es häufig schwer abschätzbar, ob spezielle Beziehungsmuster in der Familie eher mitursächlich für die Erkrankung oder eher deren Folge sind.

Copyright Text © E. Toman 2001-2002




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