den ersten Blick - aber nicht. Dennoch verleitet sie genauso zur Flucht, als wäre Furcht aufgetreten. Die Furcht ist bekanntlich eine elementare Emotion, gleiches gilt für die Wut; beide treten bei Menschen und bei Tieren auf und sind biologisch nützliche Reaktionen, die im Laufe von Jahrtausenden entstanden sind. Bei Signalen der Bedrohung bereitet sich ein Organismus auf zwei grundlegende Reaktionsmuster vor, auf Kampf oder Flucht. Säugetiere in freier Wildbahn müssen bei Gefahr blitzschnell reagieren - entweder kämpfen oder flüchten. Beides kann lebensrettend sein. Auch in unserer zivilisierten und hektischen Welt ist ein gewisses Maß an Wut und an Furcht biologisch sinnvoll. Ist man beispielsweise mitten auf der Straße und ein Auto rast auf einen zu, dann ist schnelle Flucht lebensrettend. Wieso kommt es aber zur Panik mitten im Kaufhaus?

Entwicklung

Die Panik bricht oft in einer Situation aus, die eine Tendenz hat sich zu wiederholen und die sich weder durch Kampf noch durch Flucht dauerhaft beseitigen lässt. Es ist meist nicht leicht zu erkennen, dass diese Situation auch noch thematisch vorstrukturiert ist, dass sich darin also ein Thema aktualisiert, das eine längere Entstehungsgeschichte hat. Erscheinen weder Kampf noch Flucht als möglich oder als sinnvoll, dann stellen sich bei dafür disponierten Personen einerseits eine Übererregung, andererseits eine Vermeidungs- und Ausblendungstendenz ein. (Mehr :: weiter) Sie ist ein recht komplexer Vorgang des menschlichen Gehirns, der nicht selten auf einer lebenslangen Lerngeschichte beruht. Vermieden, ausgeblendet und nicht zur Kenntnis genommen wird - bis zum Ausbrechen der Angstattacke - vor allem Unangenehmes aus der Gegenwart und aus der Vergangenheit, dessen Auftreten mit Angstgefühlen einhergehen könnte. Was das im Einzelnen ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Den Betroffenen ist meistens nicht klar, dass die Attacke das späte Ergebnis eines Jahre lang aufgebauten Systems von inneren und äußeren Vermeidungsreaktionen ist. (Grafik :: weiter) Könnte man das Leben eines Menschen von oben betrachten wie einen Stadtplan, so würde man vermutlich entdecken, dass die Panik in dem Moment ausbricht, in dem das "Auto des Lebens" in eine Sackgasse gefahren ist und nicht mehr weiterkommt. Die ersten Panikattacken haben also eine lange Vorbereitungszeit; sie treten auf, wenn man mit der Kunstfertigkeit zu Vermeiden und den Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen an einem Ende angelangt ist. Nicht selten steht im Zentrum des Vermeidungsverhaltens die Angst vor dem Alleinsein, weil das Alleinsein für manche das Fürchterlichste auf der Welt ist, das ihnen gefühlsmäßig widerfahren kann. Um dem Alleinsein auszuweichen wird vieles in Kauf genommen, wenn es nur weniger unangenehm zu sein verspricht. Hinter jedem Paniksyndrom steht also mindestens ein lebensgeschichtliches Thema, das jahrelang vertagt worden ist.
(übernommen mit schriftlicher Genehmigung von:http://www.wopalm.de)




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