spielen. Tatsächlich kam aber keiner aus Rosenhans Gruppe. Das Ergebnis: 41 von 193 Patienten sollten nach Ansicht von mindestens einem Mitglied des Pflegepersonals trotzdem Pseudopatienten gewesen sein. 23 Patienten wurden als Pseudopatienten "entlarvt" von mindestens einem Psychiater, immerhin noch 19 von einem Psychiater sowie einem anderen Mitglied des Personals. Was Rosenhan, der an dem Experiment selbst teilnahm, besonders auffiel: Einmal als "abnormal" abgestempelt, färbt dieses Merkmal die Wahrnehmung von der betreffenden Person völlig ein und man übersieht die normalen Anteile oder interpretiert sie falsch. Die Lebensgeschichte wurde so umgedeutet, daß sie mit der gängigen Schizophrenietheorie übereinstimmte. Das Personal schien von der Annahme auszugehen, daß die Menschen, weil sie im Krankenhaus aufgenommen worden waren, geistig gestört sein mußten. Und da sie für sie geistig gestört waren, waren auch ganz normale Tätigkeiten, wie etwa das Anfertigen von Notizen für das Personal Ausdruck dieser Störung. Nie hatte das Personal erkennbar die Idee, daß irgendwelche Verhaltensweisen, die es beobachtete, etwas mit dem Krankenhaus oder den Interaktionen zu tun haben könnte.

An sich selber stellten die "Gesunden" bereits nach kurzer Zeit sogenannte "Depersonalisationserlebnisse" fest. Einer hatte sogar das Gefühl, unsichtbar zu sein. 71 % der Psychiater und 88 % der Schwestern und Pfleger sind bei ganz normalen Fragen von Patienten einfach weitergelaufen ohne den Fragesteller zu beachten. Dies ist ein Verhalten, das in normalen Interaktionen, auch wenn die Menschen wenig Zeit haben, so nicht vorkommt, wie Rosenhan glaubhaft belegen konnte. Es konnte beobachtet werden, wie Pfleger Patienten verbal oder physisch mißhandelten, solange sie sich nicht vom übrigen Personal beobachtet fühlten. Waren lediglich "Patienten" die Zeugen, so hinderte sie das offenbar nicht daran, rüde mit ihnen umzuspringen. Patienten sind nicht glaubwürdig.

Die "Patienten" hatten die Situation insoweit unter Kontrolle, als sie ja selbst es waren, die sich in diese Lage brachten. Was wäre aber gewesen, wenn die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus von anderen inszeniert worden wäre, ohne daß die angeblichen Patienten an diesem Betrug freiwillig mitgewirkt hätten? Wenn ganz normales Schreiben im Kontext eines psychiatrischen Krankenhauses zu einem "Gehabe des Schreibens" wird, so fragte Foucault im Nouvel Observateur, was würde es dann erst bedeuten, da drin jemandem einen Schlag in die "Fresse" zu verpassen?

Einmal als "abnormal" ab gestempelt, werden die "normalen" Anteile einer Person nicht mehr gesehen!
(übernommen mit schriftlicher Genehmigung von:http://www.diealternativen.de)




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