Gestalttherapie: Verantwortung macht frei.

 
Gestalttherapie: Verantwortung macht frei.Für viele meiner KlientInnen ist Verantwortung, wenn sie anfänglich zu mir kommen, etwas, das man "trägt", das einem "aufgebürdet" oder "zugeschoben" wird, oder sogar etwas, das eng mit Schuld zusammenhängt. Ist man für etwas verantwortlich oder wird man gar "zur Verantwortung gezogen", so bedeutet das im Alltag in der Tat häufig, dass man sich mit Vorwürfen oder Kritik konfrontiert sieht und manchmal Rechenschaft ablegen, Konsequenzen ziehen oder anfallende Kosten tragen muss. Häufig ist Verantwortung auch fast dasselbe wie Pflicht, Verpflichtung und Festlegung. Da ist es nicht weiter verwunderlich, wenn Verantwortung bei vielen Menschen als etwas Unangenehmes gilt, das sie nicht gerne auf sich nehmen.

Entsprechend gehen sie dann mit sich selbst um; common sense und Umgangsprache helfen dabei: Es geht ihnen heute nicht so gut, der Magen macht Probleme, man kann sich nicht mit den KollegInnen verständigen, weil die sich danebenbenehmen, das Wetter macht einem zu schaffen, und überhaupt meinst es das Schicksal (oder auch das Horoskop) nicht gut mit ihnen; vielleicht liegt es auch an der Gesellschaft oder den Eltern. Was auch immer als die "eigentliche" Ursache angesehen wird, sie liegt meist außerhalb der Betroffenen oder ihres Einflussbereichs, und sie selbst befinden sich in einer mehr oder weniger aussichtslosen Lagen, die ihnen kaum einen Handlungsspielraum lässt.

Da stoße ich zuerst oft auf Erstaunen oder Widerstand, wenn ich zu bedenken gebe, ob nicht die oder der Betroffene vielleicht auch selbst etwas zur Situationen beigetragen hat. Es ist für manche meiner KlientInnen gar nicht so leicht, sich ihre Miturheberschaft an vielem, was sie erleben, einzugestehen und die über lange Jahre hinweg gepflegte Illusion aufzugeben, sie seien nicht verantwortlich für ihr Leben. Aber dann fällt es ihnen manchmal wie Schuppen von den Augen und sie entdecken, was sie selbst dazu getan haben, dass es ihnen so ging, wie es ihnen ging.

Damit eröffnet sich eine ganz neue Perspektive, denn wenn sie selbst es waren, die ihre missliche Situation mit geschaffen haben, dann könnten ja auch sie selbst es sein, die diese Situation verändern könnten. Diese Entdeckung hat gelegentlich etwas Elektrisierendes an sich. Hoffnung entsteht und das Bewusstsein, selbst eine Wahl zwischen verschiedenen Alternativen zu haben. Es zeigt sich, dass die Illusion der Verantwortungslosigkeit die eigentliche Last war, die es zu "tragen" galt, und dass die Entdeckung der Verantwortung für das eigene Leben, wenn man sie nicht mit negativen Bewertungen verknüpft (vgl. 6), befreiend ist.




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