Tipps wenn eine Ihnen nahestehende Person unter einer psychischen Störung leidet?

Lassen Sie sich helfen, wenn Sie auch Hilfe brauchen.
Umgang mit psychisch Kranken stellt höchste Anforderungen an die Angehörigen. Selbst Gesunde und Kräftige können so an ihre psychischen und körperlichen Grenzen gelangen.
Bemühen Sie sich ohne Scham um Hilfe und Unterstützung für sich selbst, wenn Sie nicht mehr können, besser aber schon davor. Sie können sich vom behandelnden Arzt des Angehörigen beraten lassen oder – wenn Sie merken, dass ihre Reaktionen mit Ihrer eigenen individuellen Geschichte zu tun haben – selbst eine Therapie beginnen. Das Annehmen fremder Hilfe ist kein Zeichen von Schwäche – im Gegenteil, es ist eine vernünftige und starke Reaktion auf unerwartete und übergrosse Belastungen. Beachten Sie vor allem das Angebot der VASK (Vereinigung der Angehörigen Schizophreniekranker, die sich nicht nur für die Belange Angehöriger Schizophreniekranker sondern allgemein Angehöriger psychisch Kranker einsetzt).
Vermeiden Sie gut gemeinte Ratschläge, Vorwürfe und Druck.
Psychisch Kranke können bei Angehörigen den Reflex auslösen, ihnen Ratschläge zu erteilen oder rasch Massnahmen einzuleiten, die sie unmittelbar von ihrem Leid befreien sollten. Zeigt sich, dass weder die besten Ratschläge, noch Druck – der sonst "immer zum Erfolg geführt hat", etwas bewirken, fühlen Angehörige sich zunehmend hilflos und reagieren mit ausgesprochenen oder
unausgesprochenen Vorwürfen. Es ist zwar leichter gesagt als getan, Ratschläge, Vorwürfe und Druck zu vermeiden. Seien Sie geduldig mit sich und den Kranken, in erster Linie geht es bei vielen psychisch
Kranken darum, einfach "da zu sein", um Dasein zu erhalten (Erwin Ringel, berühmter Suizidforscher). Allein die Anwesenheit kann ausreichend sein, Sie müssen häufig überhaupt nichts zusätzlich leisten.
Treffen Sie für den Kranken dort Entscheidungen, wo er sie selbst nicht mehr treffen kann und wo sie für ihn lebenswichtig sind.
Psychisch schwer Erkrankten ist es unter Umständen nicht mehr möglich, lebenswichtige Entscheidungen zu treffen. Diese Entscheidungs- unfähigkeit kommt uns fremd und unverständlich vor, kann aber ein zentraler Aspekt der psychischen Störung sein. Dennoch gibt es lebenswichtige Entscheidungen, die getroffen werden müssen. Jeder Mensch braucht Essen und Trinken, Körperpflege und Bewegung (z.B. Spaziergänge) und braucht
Behandlung, wenn er krank ist. Bestehen Sie ohne lange und ermüdende Diskussionen darauf, dass diese Lebensnotwendigkeiten eingehalten werden, auch wenn der Kranke Ihnen zu verstehen gibt, dass er sich hierzu nicht in der Lage fühlt oder sogar unwirsch reagiert. Ist die Gegenreaktion allzu massiv, nehmen Sie zunächst Abstand davon. Seien Sie gleichzeitig kritisch betreffend folgenschweren Entscheidungen, die der Kranke möglicherweise überstürzt fällen möchte. Vermeiden Sie es also, dass der Kranke Entscheidungen trifft wie z.B. Kündigung der Arbeit, Scheidung vom Partner, Verkauf eines Hauses und vieles andere. Diese Entscheidungen können durchaus Ausdruck der Krankheit sein, besonders wenn sie erst im Rahmen der Krankheit auftauchen. Es geht um die Vermeidung von Entscheidungen, die später sehr bereut werden und allenfalls nicht
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