Was über Panik?
Die Panik ist aber etwas anderes, sie ist kein unbewusster Angstablauf, sondern ein heftig spürbarer Anfall. Die Panik ist auch keine übersteigerte Stressreaktion. Typischerweise hat im Panikanfall der Arbeitsspeicher keine brauchbaren Vergleichsinformationen zur Situationseinschätzung zu Verfügung; sie fehlen in einem Moment, in dem die Erregung bereits hochgeschossen ist und die Stressreaktion des Körper bereits auf vollen Touren läuft. Derzeit ist noch nicht geklärt, was im Gehirn unmittelbar bei Panikattacken abläuft. Bekannt ist, dass Menschen, die zur Panik dispositioniert sind, auf unangenehme oder generell negative Ereignissen mit einer starken Überreaktion im rechten Frontalhirn antworten, was als eine Überaktivierung des Vermeidungssystems angesehen wird. Zudem ist ein komplexer neuronaler Schaltkreis, das "Centrale Autonome Netztwerk" (CAN) ebenfalls überaktiviert, das an der Erkennung von Widersprüchlichkeiten, dem bewussten erleben von Emotionen und an der Steuerung der Flexibilität der Herzrate wesentlich beteiligt ist. (Eine hohe Flexibilität der Herzrate ist ein Indikator für eine gute Fähigkeit zur Bewältigung alltäglicher Lebensereignisse. Überängstliche Personen zeigen oft eine niedrige Flexibilität der Herzrate.)Die neuronalen Schaltkreise im Gehirn, welche die Panik hochdrehen, sind andere als die, welche den Ablauf der Furcht regulieren, die hauptsächlich durch die Amygdalla gesteuert wird. Bei mehreren Säugetierarten (bis hin zu den Primaten) wurde in den Gehirnen ein "Trennungsangstsystem" gefunden, das sich zum Teil mit jener Neuronengruppierung überlappt, deren Aktivierung Schmerzen auslöst. Darin spielen auch andere Neurotransmitter eine Rolle als im Furchtregulationssystem. Außerdem spricht das Furchtsystem eher auf Benzodiazepine an, das Paniksystem hingegen eher auf Opiate. Tavor oder Lexotanil, das viele Paniker in der Mantel- oder Handtasche herumtragen, nutzt daher überwiegend gegen die Angst vor der Panik, weil diese Erwartungsangst durch das Stresssystem erzeugt wird (siehe unten) - und nicht gegen die eigentliche Panik. Man müsste aus diesen Befunden schließen, dass die pfeilschnelle Hochregulation von Panik ein Signal für eine drohende Trennung darstellt, ein Befund, der in der therapeutischen Praxis recht häufig ist: Wo die Panik hochschießt herrscht das Grundgefühl: "Ich bin allein auf der Welt - und das ist das Entsetzlichste, was es gibt!" Erfahrungsgemäß dauert die Erwartungsangst noch an, wenn die Panik (z.B. hinter den Steuer eines Autos) schon längere Zeit ausgeblieben ist.


