Eisenmangel während der Schwangerschaft
Der menstruelle Blutverlust bleibt über viele Jahre individuell relativ konstant, ist aber sehr variabel betrachtet man verschiedene Frauen. In einer Serie von 476 Frauen betrug der Mittelwert 30 ml (=15 mg Eisenverlust). 95 % dieser Frauen wiesen einen menstruellen Blutverlust < 118 ml auf und benötigen daher eine tägliche Eisenaufnahme bis zu 2.8 mg, um eine ausgeglichene Eisenbilanz aufzuweisen. Dieser tägliche Eisenbedarf ist vergleichsweise hoch, berücksichtigt man, dass Männer bei größerem Körpergewicht und meist deutlich höherer Nahrungsaufnahme nur ca. 1-1.5 mg Eisen/Tag benötigen. Es verwundert deshalb nicht, dass junge menstruierende Frauen häufig Anzeichen eines Eisenmangels zeigen. Eigene Untersuchung an 2800 Erstblutspendern in Hamburg zeigten 1993/94 eine Prävalenz von erschöpften Eisenreserven (Serum-Ferritin < 30 µg/dL) bei ca. 40 % der jungen Frauen. 10 % wiesen keinerlei Eisenreserven auf und standen deshalb an der Schwelle zur Eisenmangelanämie.Schwangerschaft und Geburt
Der Eisenbedarf für eine 9-monatige Schwangerschaft für eine 55 kg schwere Frau beträgt 230 mg Eisen als Basalverlust, 270 mg für den Fetus, 90 mg für Plazenta und Nabelschnur und ca. 150 mg für den Blutverlust bei der Geburt, also insgesamt 740 mg. Zusätzlich werden 450 mg Eisen für die Bildung von zusätzlichem Blut (Ausdehnung des Blutvolumens) benötigt. Dieses Eisen wird allerdings nach der Geburt wieder zurückerhalten.Die Eisenversorgung für den Fötus ist in jedem Fall gewährleistet, denn der neonatale Eisenstatus ist relativ unabhängig von der Eisenbilanz der Mutter. Dies zeigt die bemerkenswerte Effizienz der Plazenta in der Eisenversorgung des Fetus. Der größte Bedarf an Eisen fällt gegen im 2. und 3. Trimester der Schwangerschaft an und kann mit ca. 6 mg/Tag kaum allein aus der Nahrung gedeckt werden. Frauen, die keine Eisenreserven mit in die Schwangerschaft bringen und keine Eisensubstitution durchführen, sind deshalb nach der Geburt häufig anämisch.
Laktation
Für die Bildung der Muttermilch werden 0.3-0.6 mg Eisen/Tag benötigt. Da dabei aber häufig der Wiederbeginn der Regelblutung verzögert wird, ist die Auswirkung für die Eisenbilanz der stillenden Mutter eher gering.Insgesamt stellt die Schwangerschaft und Geburt aber einen erheblichen zusätzlichen Faktor in der Eisenbilanz der Mutter dar. Eine richtig dosierte Eisenprophylaxe ist deshalb besonders für die Frauen wichtig, die bereits vor der Konzeption erschöpfte Eisenreserven aufweisen.


