Angst als Teil der normalen Stressreaktion
Bei plötzlichen Bedrohungen übernimmt eine besondere anatomische Struktur aus Neuronen des Gehirns die Steuerung: der Mandelkern (die Amygdala weiter). Er ist im Temporallappen lokalisiert, dort befindet sich auch der Hippocampus weiter, eine für den Zugang zum Langzeitgedächtnis und damit für die Angstkonditionierung wichtige Struktur. Nach den Ergebnissen der Hirnforschung des letzten Jahrzehnts, ist der Mandelkern die Alarm- und Abwehraktivierungszentrale des Organismus.Die Aktivierung beginnt mit sensorisch-emotionalen Hinweisreizen, die von den Sinnesorganen zum sensorischen Thalamus weiter geleitet werden, wo eine blitzschnelle erste Unterscheidung zwischen wichtig und unwichtig vorgenommen wird, und geht von dort, ohne Aktivierung der sensorischen und präfrontalen Areale des Cortex, direkt zum lateralen Teil der Amydala weiter. Noch ehe also der Verstand die Dinge beurteilen kann, reagiert der Körper mit einem Abwehrreflex oder erstarrt in einer Schreckreaktion. Fast gleichzeitig wird in einem blitzschnellen Rückkopplungsprozess über den Hypothalamus weiter die hormonelle Stressachse aktiviert, die ihrerseits dann den Körper auf volle Touren bringt: das autonome Nervensystem reagiert; es werden Adrenalin weiter, Cortisol weiter und eine Menge von Peptiden ausgeschüttet, der Blutdruck steigt und der Kreislauf und die Muskeln sind für Angriffs- oder Fluchtreaktionen mobilisiert.
Zwar werden auch Signale vom Thalamus zum präfrontalen Cortex weiter geschickt, doch ist diese Leitung "langsamer", denn die Informationen müssen dort verarbeitet werden, d.h. mit im Gedächtnis abgelagerten Informationen verglichen und auf ihre Bedeutung eingeschätzt werden. Auch sind die Verbindungen einseitiger, d.h. es laufen mehr afferente Verschaltungen von der Amygdala zu Bereichen des Cortex als umgekehrt, d.h. die Neurone der Amygdala können viel leichter die Erregung in bestimmten Cortexbereichen hemmen als umgekehrt. (Ausgerechnet hier, denn insgesamt gibt es beim Cortex rund fünf Mal mehr Ausgänge als Eingänge und auch die Efferenzen und Afferenzen zwischen Cortex und Thalamus sind ausgeprägt.) Wenn in den Assoziationsarealen des Cortex die Verarbeitung endlich passiert ist, werden in den normalen Fällen des Alltags die nötigen Deaktivierungen eingeleitet, weil sich das Alarmsignal vielleicht als lächerlich herausgestellt hat: Der Knall, der einem aufgeschreckt hat, kam aus der Spielzeugpistole von Nachbars Jungen. Nun werden hemmende Signale vom präfrontalen Cortex abwärts zum lateralen und basalen Teil der Amygdala gesendet und nach mehreren Sekunden (bei manchem dauert es auch erheblich länger) regt sich ein Mensch normalerweise wieder ab.
Dieser Ablauf der Aufregung gehört zur normalen Stressreaktion, die sich über die Hypothalamus- Hypophysen- Achse in den Körper lesen Sie weiter


