Geschichte der Hypnose
Hypnosetechniken sind seit ältesten Zeiten bekannt; bereits in Keilschrifttexten der Babylonier wird von Trancen oder tranceähnlichen Zuständen berichtet. Kenntnis und Ausübung des Hypnotisierens lagen damals, wie später auch noch, in den Händen von Priestern. Im Mittelalter war die Idee eines angeblich durch hypnotische Wirkung übertragenen mystischen Fluidums bekannt. Im 17.Jahrhundert prägte der Universalgelehrte und Jesuit Kircher (1602-1680) den Begriff Magnetismus, den der theologisch und philsophisch gebildete Arzt F.A. Mesmer (1734-1815) durch seine Lehre vom tierischen Magnetismus (Mesmerismus) in Europa populär machte. Der britische Chirurg J.Braid (1795-1860) schließlich suchte nach den physiologischen und psychischen Voraussetzungen des künstlichen Pseudoschlafzustandes und gab ihm den Namen Hypnose. Braids Veröffentlichungen entfachten wissenschaftliche Diskussion über Theorien und Techniken des "Hypnotismus", insbesondere in Frankreich, wo sich zwei zwei Lehrmeinungen bildeten. Während die Schule von Nancy (H.Bernheim und A.A. Liébault) den psychologischen Charakter der Hypnose betonten, führte die Pariser Schule unter dem Neurologen J.M. Charcot (1825-1893) die Hypnose auf physiologische Veränderungen zurück und deutete sie als eine Art künstliche Hysterie. Auch der Vater der Psychoanalyse, der Neurologe S. Freud (1856-1939), benutze anfangs die Hypnose zur Behandlung seiner Patientinnen. Pierre Janet (1849-1947), französischer Psychologe, Schöpfer einer Theorie des "Unterbewusstsein" (ein heute noch populärer Begriff) beschrieb Trance als kognitiven Zustand außerhalb der bewussten Wahrnehmung. Trance sei ein dissoziierter Zustand, der es erlaube, intelligent, kreativ und autonom zu handeln. Janets Ideen wurden nach dem zweiten Weltkrieg von dem amerikanischen Psychologen Ernest R. Hilgard (1904-2001) erweitert und zur experimentellen Forschung ausgebaut. Auch der amerikanische Psychiater und Therapeut M.H. Erickson (1901-1980) wurde von Janets Arbeiten inspiriert; Erickson unterstrich jedoch zusätzlich die Bedeutung der situativen Einflüsse und der Kooperation zwischen Hypnotiseur und Klient.Auf M.H. Erickson gehen viele wichtige Neuerungen zurück. Er gilt als Meister des Verfahrens, die kreativen Potientiale eines Klienten zu nutzen. Er sprach vorzugsweise von dessen "Ressourcen". In seinen Händen wandelten sich die klassischen, direktiven Hypnoseabläufe in die heutigen Hypnoseverfahren, die mit Emotionen und Kognitionen arbeiten. Ericksons Einfallssreichtum und seine Beobachtungsgenauigkeit lassen sich nur mühsam in ein System pressen. Wenn man es dennoch tun will, so weist sein Konzept der ressourcen-orientierten Hynosetechniken fünf Schritte auf. (1) Zuerst wird die Aufmerksamkeit zentriert; unter Einbeziehung von Gewohnheiten und anderen Verhaltensweisen wird sie zur Innenwahrnehmung gelenkt. (2) Dann werden die gewohnten kognitiven Schemata durch verschiedene hypnotische Techniken - manchmal überraschend - umgangen oder außer Kraft gesetzt. (3) Es beginnt eine innere Suche ("unbewusster Prozess"), die durch indirekte Formen der hypnotischen Suggestion angeregt und unterstützt wird. (4) Die Ressourcen werden aktiviert, Gefühle, bildhafte Vorstellungen und textgebundene Gedanken assoziieren zu neuen Einsichten, Lösungen oder Vorstellungen. (5) Diese drücken sich dann oft in überraschenden Reaktionen aus, die von Klienten als autonomer seelischer Vorgang erlebt werden.


