Menschenpflege, nicht Maschinenpflege
Schulleitungen sehen sich vielfach in der Rolle dafür sorgen zu müssen, "dass der Laden läuft." Leider ist auch der bürokratische und organisatorische Druck so groß, dass ihnen oft nichts anderes übrig bleibt. So wird die menschliche Seite oft zu wenig beachtet. In kleinen Schulen, in denen das gesamte Kollegium noch an einen Tisch passt, ist das durch den täglichen Kontakt und das Gespräch noch laufend möglich. In größeren Systemen ist vieles zu Verwaltungsangelegenheiten geworden, die schematisch behandelt werden. Ein typisches Beispiel: Eine Kollege will für die Beerdigung seines Onkels, der weit entfernt gewohnt hat, Sonderurlaub haben. An dem betreffenden Donnerstag hätte er normalerweise 6 Stunden Unterricht. Der Schulleiter wiegt den Kopf, weil schon 4 Lehrkräfte an diesem Tag krank oder verhindert sind. Nach dem § 52 BAT darf er keinen Sonderurlaub für diesen Grund erteilen.Jetzt kommt es darauf an, wie er handelt: Entweder er erteilt ihn trotz entgegenstehender Vorschriften und verantwortet das oder er lehnt es ab. Bei einem Kollegen, der sonst immer ordentlich seinen Dienst tut, keine einfache Sache. Hier zeigt sich genau das Dilemma: Kollegien und Schulleitungen sind in einem bürokratischen System gefangen, das pragmatische Lösungen oft nicht zulässt. In jedem Wirtschaftsbetrieb muss der Chef auch verantworten, ob er einen Mitarbeiter beurlaubt oder nicht. "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg." sagt der Volksmund. Der Chef wird also eine Lösung finden. Warum kann nicht auch ein Ministerium diese Kompetenz in die Hand eines Schulleiters geben? Es wird so großartig von "Selbstständiger Schule" gesprochen, aber in wesentlichen Dingen ist sie nicht selbständig. Gerade solche Dinge, die das Privatleben betreffen und auf das Verständnis des Vorgesetzten angewiesen sind, machen die positiven zwischenmenschlichen Beziehungen aus, die für eine erfolgreiche Erziehungsarbeit in der Schule wichtig sind. Sie zu pflegen, ist vordringliche Aufgabe der Schulleiterin oder des Schulleiters. Das ist viel wichtiger als die Bereitstellung von Büchern, Unterrichtsmaterial oder Geräten. Wenn ein Fotokopiergerät in der Schule defekt ist, ist das schon eine schlimme Sache und kann die Unterrichtsorganisation ganz schön über den Haufen werfen. Aber es lässt sich verschmerzen und kann repariert werden. Wenn aber die menschlichen Beziehungen nicht in Ordnung sind, ist das schwer wieder zu heilen. Wenn öfter der Lehrerrat zu Vermittlungsgesprächen vorstellig wird, müsste das für jede Schulleitung ein Alarmsignal bedeuten.


