Unkontrollierbarer Stress
Im Alltag bennen wir viele Anspannungen unscharf als "Stress", hier ist mit diesem Ausdruck ein emotionaler Zustand des sich mehr oder weniger permanenten Bedrohtfühlens gemeint, den die Betroffenen nicht mehr herunterregeln können. Dazu zählt beispielsweise auch die Erwartungsangst, die Angst vor der Angst, die bei Angststörungen auftritt und gekennzeichnet ist durch den Verlust der Hoffnung, demnächst eintretende, bedrohliche Ereignisse in den Griff zu bekommen. Vielleicht denkt man bei "unkontrollierbarem Stress" zuerst an Krieg und Katastrophen, an Schrecken also, die für uns alle nicht zu kontrollieren sind. Aber neben diesen offensichtlichen Bedrohungen gibt es einen weiten Bereich, in dem das Ausmaß der Bedrohlichkeit von den je individuellen Bewältigungsfähigkeiten abhängt. Was für jeden Einzelnen bedrohlich ist, hängt genau genommen davon ab, wie man einschätzt mit Bedrohungen (Belastungen, Herausforderungen) fertig werden zu können - und das können Erwachsene besser als Kinder. Babies können daher recht rasch unter unkontrollierbarem Stress leiden.Unkontrollierbarer Stress führt zu "gelernter Hilflosigkeit", der Ausdruck bezeichnet ein bereits länger bekanntes psychologischen Konzept, das eng mit dem Namen des Wissenschaftlers Seligmann verknüpft ist. "Gelernte Hilflosigkeit" entsteht, wenn ein Individuum seine Angst nicht durch Kampf oder Flucht abreagieren kann, sich ausgeliefert fühlt, keine soziale Unterstützung erfährt und keine Besserungsperspektive sieht. Das gilt, wie Experimente zeigen, für Menschen und für Säugetiere. Oft rutschen Individuen, die länger unter unkontrollierbarem Stress leiden, in eine Depression hinien.
Unkontrollierbarer Stress wirkt auf die BIldung von Synpsen, und zwar im Hippocampus genau gegenteilig wie in der Amygdalla. Mit anhaltender Erregung bleibt die Ausschüttung von CRF und von Gluccocorticoiden (Stresshormonen) auf hohem Niveau. Vermutlich führen die Erregungsleitung über einen Gluccocordicoidrezeptor und über einen MAP-Kinase-Signalweg zur Abspeicherung der Angstsignale im Gedächtnis. "Normalerweise" käme es über einen Hemmungsvorgang der "Stress-Achse" (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) zu deren Dämpfung, sie unterbleibt jedoch bei dauerhaftem Stress, vielleicht als Folge einer langsamer ablaufenden, veränderten Genexpression (Stress-Diathese-Hypothese). Der cerebrale Energiewechsel wird herabgeschraubt, die Neubildung von Synapsen (im Hippocampus) gehemmt, Glutamatsynapsen lesen Sie weiter


