Es liegt nun nahe, im unkontrollierbaren Stress einen grundsätzlichen Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Störungen zu sehen, und zwar nicht nur im Erwachsenenalter, sondern im Kinder- und Kleinkinder-, ja im Babyalter. Es kommt der zur Ausprägung einer dauerhaft erhöhten Angstbereitschaft. Diese entwicklungsgeschichtlich negative Grundlage ist ein Wegbereiter der Depression, was mit den mehrfach erhobenen Befunden übereinstimmt, wonach Angststörungen häufig den Depressionen vorausgehen. Zentraler psychologischer Erklärungsfaktor für die schädlichen Auswirkungen von chronischem Stress ist der Verlust von Kontrolle, d.h. der Verlust der Erwartung oder der Hoffnung durch eigenes Verhalten positive Veränderungen herbeiführen zu können. Was diesen Kontrollverlust vorbereitet und wie es schließlich zu ihm kommt, ist indes noch nicht geklärt.
Wie so oft in der Forschung findet man, wenn man das Geschlecht als zusätzlich Variable einführt, mehr oder weniger große Unterschiede. So scheint chronischer Stress bei Frauen zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall zu führen, bei Männern indes steigt das Risiko für solche Erkrankungen als Folge von depressiven Verstimmungen!
(übernommen mit schriftlicher Genehmigung von:http://www.wopalm.de)


