nicht diagnostiziert wird, so wird eine deutlich höhere Alkoholikerrate unter Selbstmördern sehr plausibel.

Sonneck (2000) schätzt die Zahl der Substanzabhängigen ("Alkohol-, Medikamenten- und/oder Drogenabhängige") unter den Selbstmördern mit rund einem Drittel, wobei man anmerken muss, dass in Österreich der überwiegende Teil der Substanzabhängigen ausschließlich oder unter anderem von Alkohol abhängig ist.

Hall (1999) fand bei Personen nach Selbstmordversuchen in der Intensivstation bei 68% der Fälle Hinweise auf Substanzmissbrauch, und wenn man die von uns zuvor errechneten Selbstmordraten unter Alkoholikern und Nichtalkoholikern auf die Zahl der Selbstmorde in Österreich projiziert, so ergibt sich für das Jahr 1998, dass unter den cirka 1.600 in der Todesursachenstatistik ausgewiesenen Selbstmördern rund 955 [(1600 x 10% x 12%) : (10% x 12% + 90% x 0,9%) = 955] an Alkoholismus erkrankt waren, während nur zirka 645 Nichtalkoholiker Selbstmord verübt haben. Sollten diese Schätzungen zutreffen, wären gar 60% der Selbstmörder durch ein Alkoholismusproblem charakterisiert.

Angesichts großer Mess- und Schätzprobleme in Zusammenhang mit Selbstmord und Alkoholismus kann man den Anteil der Alkoholiker unter Selbstmördern ganz grob zwischen 1/3 und 2/3 ansetzen.

Rund 955 Alkoholiker, die pro Jahr durch Selbstmord sterben, stehen laut offizieller Drogenopferstatistik einer Anzahl von 11 Selbstmorden unter den Drogenopfern gegenüber (Durchschnittswert von 1989-1998). Diese Zahl umfasst jedoch nur die "offenen" und nicht die "verdeckten" Selbstmorde und ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine ziemliche Unterschätzung. Aber selbst wenn man annimmt, dass eine deutlich höherer Anzahl der durchschnittlich 175 Drogentoten (Durchschnittswert von 1989-1998) durch Selbstmord gestorben ist, so ist das Übergewicht der Selbstmorde in Zusammenhang mit Alkohol doch beachtlich.

Um Fehlinterpretationen vorzubeugen, muss hier allerdings auch betont werden, dass man Selbstmorde bei Süchtigen natürlich nicht gänzlich auf das Konto der Suchtproblematik verbuchen darf. Man muss einerseits bedenken, dass ja auch Nicht-Abhängige Selbstmorde begehen, und dass andererseits viele Personen, die infolge medizinischer, psychischer und/oder sozialer Probleme besonders suchtgefährdet sind, bereits vor Beginn ihrer Suchtproblematik ein stark erhöhtes Selbstmordrisiko aufwiesen. Darüber, wie viele der rund 955 Alkoholkranken, die jährlich durch Selbstmord sterben, auch dann durch Selbstmord enden würden, wenn man ihnen jeglichen Alkohol kategorisch vorenthielte, kann man nur spekulieren.
(übernommen mit schriftlicher Genehmigung von:www.gin.uibk.ac.at)




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